Fotoausstellung -Schilderungen- von Joseph W. Huber | Fotoausstellung -Schilderungen- von Joseph W. Huber Ausstellungszeitraum: 08. Nov 2007 - 02. Jan 2008 Vernissage: 08. Nov 2007, 19:00 |
BeschreibungJoseph W. Huber (geboren am 26. Juni 1951 in Halle an der Saale; gestorben am 5. August 2002)
Joseph W. Huber lebte seit 1959 in Berlin-Prenzlauer Berg. Ausgebildet zum Offsetdrucker übte er verschiedenste Berufe aus. Von 1971 bis 1980 ist er aktiv im Zeichenzirkel von Robert Rehfeldt. 1976 nimmt er erste Mail-Art-Kontakte auf und beginnt zugleich eine intensive Ausstellungstätigkeit. Erst 1986 wird er im Verband Bildender Künstler der DDR als Mitglied aufgenommen. Seit 1979 gibt er kritische und satirische Motive als Postkarten und Plakate heraus. Nach der Wende gründet er die edition Karte-ll.
Die ausgestellten Arbeiten entstammen dem Projekt „SCHILDERungen“. Die Idee dazu und zahlreiche Motive davon sind in der DDR entstanden. Doch auch im wieder vereinten Deutschland zeigen sich viele Schilder von einer satirischen Seite, zumeist wohl unbeabsichtigt.
Es ist eine Ausstellung, die anregt, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Denn die Zeiten mögen sich ändern, doch die unfreiwillige Komik bleibt! Wir müssen sie nur sehen!
Stark gekürzte Ausstellungsliste
· Beteiligt an den retrospektiven Mail Art-Ausstellungen:
· -Mail Art Osteuropa - im internationalen Netzwerk- im Staatlichen Museum Schwerin 1996 (Katalog)
· -... keine Kunst? Mail Art-Projekte- im Museum für Post und Kommunikation Berlin 1997
· -Mail Art Saarland – DDR: Schmuggelgut oder Kassiber?- in der Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek Saarbrücken 2000 und in der Universitätsbibliothek Leipzig 2001 (Katalog).
Josephs W. Hubers Motive übersah der simple Straßenbenutzer, der geschäftige Spaziergänger. In der Alltäglichkeit der Dinge, an Fassaden, in kleinen, zufällig entstandenen Konstellationen sah er das Besondere und stieß uns mit Liebe auf die Skurrilitäten des Alltages. Er schabte ovale Eisen von Löschwasserabdeckungen frei, polierte und frottierte diese, von vielen Füßen getretenen Metallovale und zeigte uns so ein Stück Industriedesign und –geschichte. In tiefster DDR-Zeit eröffnete er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Karla Sachse ein „Freibad“ auf dem Grünstreifen der Frankfurter Allee, wo sie einen Bauzaun mit Badenden bemalt hatte. Den Leuten fielen die Augen aus, wie sie in der grauen Trabiluft dort mitten im Straßenverkehr kleine Plastebecken mit Wasser gefüllt sahen, in denen sich Leute in Badekleidung tummelten! Und dies unter den wachsamen Augen von einigen hilflosen Polizisten. Er hatte keine Scheu sich um -Druckgenehmigungen- im Rat des Stadtbezirkes Abteilung Kultur zu bemühen! Auf Fragen nach dem Sinn dessen, was er da drucken wollte, lächelte er und stellte eine liebenswürdige Gegenfrage: -Warum, ist das schlimm?-. Er brachte viele Menschen zum Staunen, und wenn man heute diese Motive sieht, sind die meisten Betrachter darüber verwundert, wann sie das erste Mal offiziell gedruckt worden waren. Joseph sammelte aber auch die Aufmerksamen um sich und ermunterte zum Fotografieren der Alltagssatire. Sein Herz und sein Blick waren immer offen. Er gründete eine -edition- mit dem Namen Karte`ll und die -Genossenschaftler- gaben ihm auf Handschlag ihre Anteile. Alle wussten, dass nach einiger Zeit die Anteile als Karten in einem Schuber ausgezahlt werden würden. Wozu ein Schriftstück also? Er ging zwischen den kleinen Läden hin und her, die seine Karten anboten. Er zeigte die in vielen kleinen Ausstellungen. Er hielt Kontakt.
Die -SCHILDERungen- mögen uns heute vergegenwärtigen, dass einige sehend auch aus der DDR kamen und es auch blieben.
Siegfried Lewerenz
i.A. der Kiste
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